Presse
Darmstädter Echo, Gross-Gerauer Echo, Rüsselsheimer Echo, Starkenburger Echo, Odenwälder Echo: Magazin zum Wochenende, Samstag, 14.12.2002
Reizen am virtuellen Spieltisch
Online-Skat - Der Pfungstädter Markus Riehl ist Webmaster bei Deutschlands größtem Internetportal für Skatspieler
Autorennen, Gruselabenteuer, Ritterkämpfe und Weltraumgefechte - all das kann man auch online erleben. Oder auch ein so traditionelles und grafisch wenig aufregendes Spiel wie Skat. Seit sich das Internet zu einem volkstümlichen Medium entwickelt hat, hat auch das beliebteste deutsche Kartenspiel hier seinen festen Platz. Wer am Feierabend oder am Wochenende Lust auf eine Kartenrunde hat, muss keine Verabredungen mit Freunden treffen oder in Kneipen nach Gleichgesinnten suchen. In den diversen Online-Skatclubs gibt es zu jeder Tages- und Nachtstunde die gesuchten Partner.
Der Pfungstädter Markus Riehl ist Webmaster bei www.skat.com, einem seit vier Jahren bestehenden Internetportal, das unzählige Informationen rund um das Kartenspiel bereithält. Zusätzlich gibt es hier die Plattform www.skat-online.com, das [...] Online-Skatspiel. "Im Jahr 2001 wurden bei uns insgesamt 3 531 051 Spiele gespielt", hat Riehl beim Blick in die Nutzerzahlen festgestellt. "Das sind fast 10 000 Spiele täglich. Dieses Jahr wird der Wert über fünf Millionen liegen."
"Bei uns ist 24 Stunden am Tag was los"
Der 29 Jahre alte Pfungstädter wurde schon in Jugendjahren mit dem Skatvirus infiziert, spielte seit Ende der achtziger Jahre im Verein, einige Zeit sogar in der Skat-Bundesliga. Kartenspiele im Internet gibt es schon viele Jahre, aber - so Riehl - "das war halt meist der Kneipenskat und hatte nicht das Niveau, das sich der DSkV vorstellt." Also schufen Riehl und seine Mitstreiter in jahrelanger Arbeit ein professionelles Angebot. Das Online-Spiel wurde im Juni 2000 gegründet und verfügt derzeit über zwei Server. Weitere sind in Planung, um die bisweilen auftretenden Wartezeiten zu verkürzen. Für das Spiel am Bildschirm mussten die Regeln nur leicht abgewandelt werden. Gespielt wird nach der Internationalen Skatordnung. Mit Kneipenskatregeln wie Kontra und Re, Bock, Ramsch und anderen Besonderheiten hat man hier nichts im Sinn. Dennoch ist der Andrang groß: "Bei uns ist 24 Stunden am Tag was los", sagt Riehl. "Vom Studenten bis zum Rentner ist alles vertreten, auch viele Leute aus dem Ausland."
Nach Registrierung per E-Mail und Anmeldung klickt man auf den Menüpunkt "Tisch zuweisen". Daraufhin wird man entweder an einen Tisch gesetzt, an dem noch ein Platz für den dritten Spieler frei ist, oder man wird mit anderen Wartenden zusammen an einem neuen Tisch platziert. Zusätzlich gibt es "private Tische", an denen man sich mit Bekannten zum Spiel einfinden kann. Und schließlich können drei Spieler eine Serie nach DSkV-Richtlinien spielen."Fast täglich werden bei uns Turniere veranstaltet", sagt Riehl. "Außerdem bieten wir eine Plattform für Online-Skatvereine."
In allen Fällen geht es - höchst ungewöhnlich im Quasselmedium Internet - eher wortkarg zu. Das Chatten mit anderen Teilnehmern ist während der Spielrunden nicht möglich. "Laut Skatordnung sind Äußerungen während des Spiels verboten, wenn sie etwas über den eigenen Kartenstand verraten oder das Spielgeschehen beeinflussen" betonen die Anbieter. Beim Online-Skat sei es unmöglich zu entscheiden, ob eine Äußerung etwas mit dem Spiel zu tun habe oder nicht: "Würde einmal eine unerlaubte Äußerung gemacht, kann sich der betroffenen Spieler nicht dagegen wehren und wird vielleicht deshalb ein Spiel verlieren." Außerdem will man den Spielfluss nicht unnötig beeinträchtigen.
Es sind also eher die Skat-Puristen, die das Spiel sehr ernst nehmen, die sich hier einfinden. Sie haben verständlicherweise ein Interesse, mit Spielern auf gleichem Niveau zu konkurrieren, so dass eine Klassifizierung (zum Beispiel Anfänger oder Profi) sinnvoll ist.
Ärger über Wartezeiten und Systemabstürze
Obwohl die grafische Darstellung nicht sehr aufwendig ist, kommt es auch beim Online-Skat bisweilen zu längeren Wartezeiten und Systemabstürzen. Insbesondere bei Turnieren kann das ärgerlich werden, wenn die anderen Mitspieler warten müssen, bis der fehlender Teilnehmer sein Programm neu gestartet und sich wieder eingeloggt hat.
Während die Nutzung von skat-online kostenlos ist, erheben andere Internet-Anbieter Gebühren. [...]
Der Reiz beim Online-Skat liegt darin, dass - auch wenn man sie nicht wahrnimmt - auf der Gegenseite menschliche Wesen in Aktion sind, auf deren Stärken und Schwächen man eingehen muss. Wer darauf keinen Wert legt, kann sich einfach mit Computergegnern messen. Für diesen Zweck gibt es reichlich Software.
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Geselligkeit nach Spielschluss im Chat-Raum
Ein Spiel mit leibhaftigen Gegnern und dem beim Kneipenskat obligatorischen Bier auf dem Spieltisch kann das alles nicht ersetzen. Immerhin bemüht man sich auch in den Online-Runden um einen Hauch von Geselligkeit. Nach dem Kartenklopfen trifft man sich im Chatraum. Gelegentlich werden auch Zusammenkünfte an realen Orten veranstaltet, bei denen man seine Kontrahenten einmal persönlich kennenlernen kann. Skat-online plant für das Jahr 2003 ein großes User-Treffen in Frankfurt.
Natürlich gibt es - wie in jeder anderen Skatrunde - auch mal Streit. Beim Onlinespiel muss man seinen Ärger allerdings zunächst unterdrücken, kann ihn aber später wenigstens durch einen Eintrag im Gästebuch auslassen: "Alles easy bis auf einige Spieler die nicht reif genug sind und anscheinend nie gelernt haben mit Niederlagen im Leben umzugehen", beschwert sich da ein Spieler. "Ich meine diejenigen die beim ersten Verlust des Spiels sofort abhauen oder beleidigt Mails zum Chat senden."
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