Skatgerichtsentscheidung 117-2003
Anfrage
Gibt es - skatrechtlich gesehen - Maurer? Kann ein Spieler abgemahnt werden, weil er ein Spiel nicht ordentlich ausgereizt hat? Ich weiß, dass im Falle des vermeintlichen Abreizens ein Schiedsrichter beurteilen darf, ob das Blatt tatsächlich in dieser Höhe gereizt werden darf oder nicht, gilt das auch für den Fall, dass ein Spieler nicht oder zu niedrig reizt? Und: Wie wird der Fall gehandhabt, wenn ein Spieler einen anderen als "Maurer" beschimpft? Ist dies eine Beleidigung, die geahndet werden kann? Falls ja: Wird geprüft, ob die Bezeichnung "gerechtfertigt" war, der Spieler also tatsächlich nicht ordentlich gereizt hat?
Antwort
In keiner Bestimmung der ISkO ist festgehalten, wie viele Spiele ein Spieler verlieren oder gewinnen darf. Wir können und wollen nicht das defensive oder offensive Verhalten der einzelnen Spieler durch ein Regelement beeinflussen.
Es gibt keine Beurteilungskriterien oder Entscheidungen darüber, ob ein Spieler bis an die Grenze seiner Reizmöglichkeiten geht oder nicht, dies ist meist von mehreren Faktoren abhängig. Aggressive, risikobereite Spieler oder solche, die alle Möglichkeiten ausschöpfen wollen, um eventuell noch einen Preis zu erlangen, gehen in den meisten Fällen bis zum höchstmöglichen Reizwert. Sie nehmen dabei in Kauf, ein teueres Spiel zu verlieren und werden des öfteren des Abreizens („Abreizer“) bezichtigt.
Andere Spieler wiederum sind von ihrer spielerischen Einstellung her vorsichtiger oder haben einen guten Punktestand. Sie wollen deshalb das durchaus vorhandene Verlustrisiko nicht eingehen und verhalten sich in ihrer Reizweise entsprechend. Diese Spieler wiederum werden dann als „Mauerer“ bezeichnet.
Wenn man in solchen Fällen einen regelkundiger Schiedsrichter hinzuzieht, muss dieser nicht immer auch ein guter Skatspieler sein. Er kann die Gedankengänge eines Spielers (oft) nicht nachvollziehen und er müsste das Reiz- und Spielverhalten der Mitspieler am Tisch kennen und einschätzen können. Er kann anhand der geschilderten Situation nicht nachvollziehen, wie risikobereit oder passiv sich die Mitspieler in den bisherige Spielen verhalten haben. Daher ist es fast unmöglich, dass ein Schiedsrichter alle diese Varianten in eine Entscheidung einfließen lassen kann.
Beide Varianten des Reizverhaltens sind verständlich, normal, nachvollziehbar und meist von der jeweiligen Situation abhängig. Daher gibt es für diese beiden Varianten des Reizens keine Bestimmungen in der ISkO.
Anders verhält es sich, wenn ein Mitspieler bewusst, vorsätzlich und nachweisbar abreizt oder sein Spiel unter Wert abgibt (z.B. mit vier Buben bei einem Reizgebot von „18 oder 20“ passen). In diesen Fällen können die Mitspieler einen Schiedsrichter hinzuziehen, der dann aufgrund der Aussagen entscheidet, ob der betroffene Spieler zu verwarnen (und im Wiederholungsfall auszuschließen) ist. Hier ist die Bestimmung 4.5.2 der ISkO und die Turnierordnung für Meisterschaften (§15 siehe unten) des DSkV anzuwenden.
§ 15 Hat ein/e Spieler/in innerhalb einer Serie fünf Spiele verloren, so kann die Spielleitung an den Tisch gerufen werden. Bei nachweislichem Abreizen ist der/die Betreffende zu verwarnen.
Die Bezeichnung „Maurer“ ist am Skattisch ein Ausdruck, der meistens dann angewendet wird, wenn ein Spieler bei einem niedrigen Reizwert Alleinspieler geworden ist und anschleißend sein Spiel verloren hat. Es gibt (leider) viele Skatspieler, die anhand ihrer Karte ein Spiel nicht ausrechnen können und ein unverlierbares Spiel nicht erkennen. Es gibt aber auch Verteilungen, bei denen der Kartensitz für den Alleinspieler so ungünstig steht, dass er einen trumpfstarken Gegner hat und der zweite Gegenspieler die noch fehlenden vollen Karten führt. In einem solchen Fall den trumpfstarken Gegner als Maurer zu bezeichnen, ist nicht gerechtfertigt. Man kann von keinem Mitspieler verlangen, dass er ein aus seiner Sicht nicht gewinnbares Spiel reizt, nur damit kein anderer Spieler verliert.
Jeder Spieler, der ein Reizgebot hält oder abgibt, muss damit rechnen, dass er Alleinspieler wird. Gleich wie gut oder schlecht sein Spiel aussieht, er muss eine gültige Spielansage vornehmen und dieses Spiel auch durchführen. Wenn er nun gegen einen trumpfstarken Spieler anläuft und sein Spiel verliert, ist es nachvollziehbar, dass er in der ersten Verärgerung seine(n) Mitspieler als „Maurer“ bezeichnet.
Die Bezeichnung „Maurer“ ist unter Skatspielern, genauso wie die Titel „Garagenbauer“ und „Betonierer“ ein gebräuchlicher Ausdruck und aus unserer Sicht nicht als Beleidigung zu werten.
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